Von Jamaika nach Hamburg mit der AIDAluna, Atlantik 07.03.24

Der Seetag wird bestimmt von Schlingern, Wind und Ausfallschritten. Der Kapitän ruft deshalb wieder alle zusammen, um den geänderten Fahrplan zu besprechen.
Und der Balkon ist trotzdem gut zu genießen.

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Traumhafte Strände und Wale in Mittelamerika und Karibik
AIDAluna 2024

Wir legen wirklich um 6 Uhr morgens ab. Obwohl die Winden und Seitenstrahlruder zu hören sind, ist es leiser als gedacht.
Und gar nicht so schlimm, das Schiff schwankt kaum, als wir uns von der Insel entfernen.

Denken wir noch.

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Wenn es plötzlich bergab geht

Als wir 8:45 Uhr zum Frühstück im Marktrestaurant erscheinen, ist es gar nicht so leicht, einen Platz zu bekommen. Und noch schwerer ist es, einmal gerade am Buffet entlangzugehen, denn jetzt schwankt das Schiff doch deutlich. Immer wieder müssen sich Gäste an unseren Stühlen festhalten oder es gibt kleinere Kollisionen, wenn der Weg plötzlich nach links bergab geht.

Immerhin hat das den Vorteil, dass der Appetit bei manchem reduziert ist und deshalb gibt es heute wirklich wieder Vollkornbrötchen.
Wir lassen uns dann auch nicht davon beeinflussen und Lachs und Ei schmecken weiter. Der Weichei-Index ist indes bei 27/36. Hauptsache, das von Heike enttarnte Versorgungsschiff mit Lachs-Nachschub fährt dicht genug hinter uns her.

Der neue vorläufige Fahrplan

Um 11:15 Uhr hat der Kapitän wieder alle Gäste im Theatrium zusammengerufen, um den weiteren Plan der Reise zu besprechen.
Es bleibt dabei, dass wir nach Lissabon fahren. Das ist nicht selbstverständlich, denn Lissabon lehnt bei Sturm auch gerne Kreuzfahrtschiffe ab, aber wir haben die Genehmigung bekommen.
Was gut ist, denn 8 Container sind jetzt per LKW von A Coruña nach Lissabon unterwegs.

A Coruña ist definitiv gestrichen. Die AIDAmar hatte letzte Woche die gleiche Situation und musste vor A Coruña abdrehen, weil der Lotse es bei dem Schwell einfach nicht geschafft hat, an Bord zu kommen.
So werden wir es auch nicht in den Hafen schaffen. Und A Coruña bei Sturm kennen wir auch schon, da hat es uns schon ordentlich durchgepustet.

Die spannende Frage ist, wie es weitergeht. Eigentlich sollten wir ja an diesen beiden Seetagen bis A Coruña kommen. Lissabon ist nun deutlich südlicher. Das läuft vermutlich darauf hinaus, dass noch mindestens ein weiterer Hafen gestrichen wird, denn die pünktliche Ankunft in Hamburg ist gesetzt.
Welcher das sein wird, wird erst nach dem weiteren Wetterverlauf in Lissabon entschieden.

Insgesamt ist es gut, dass wir das Sturmtief abgewartet haben, denn das ist zwar heute ein ganz schöner Seegang und mancher Senior dürfte Schwierigkeiten haben, die Kabine zu verlassen. Aber das ist alles noch nichts gegen das, was mitten im Sturmtief gewesen wäre, wir spüren hier ja gerade mal die Ausläufer des Sturms.

Zwischen zwei Sturmtiefs

Trotzdem ist das Schiff auf schwere Zeiten eingestellt: überall in den Shops und Restaurants wurden die obersten Regale geräumt, Teller und bewegliche Dekostücke mit Seilen angebunden.

Das hat auch einen Hintergrund: wir fahren mit hoher Geschwindigkeit Richtung Lissabon stur fast waagerecht nach Osten und werden zusätzlich von hinten vom Wind geschoben, aber das zweite Sturmtief, das aus Richtung Kanada kommt, ist schneller als wir und wird uns einholen, genau wie ich gestern vermutet habe.
Deshalb ist auch noch offen, ob wir wirklich erst übermorgen früh in Lissabon einlaufen, oder ob es doch schon morgen Abend wird. Auch das werden wir sehen.

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Eine weitere Änderung ist noch bekannt: statt in Steinwerder werden wir in Hamburg am Terminal Altona festmachen, vor allem deshalb, weil auch das eine Zeitersparnis bedeutet.
Nur warum nicht gleich so? Steinwerder ist ja vor allem für die ganz großen Pötte vorgesehen, das sind wir nicht. Und die Anbindung an die öffentlichen Verkehrsmittel ist in Steinwerder schlecht. Sein Auto hat da auch keiner stehen, weil ja niemand dort die Reise gestartet hat. Ich hätte von vornherein Altona bevorzugt.

Heute keine Balkon-Reduktion

Im Anschluss setzen wir uns wieder auf den Balkon. Bei 13°C und leichter Bewölkung ist das im Windschatten in Bademantel und Decke gehüllt gut auszuhalten.

Das konnten wir die letzten Tage nicht genießen. Denn schon auf der Atlantiküberquerung kam ein Brief in die Kabine, dass an allen folgenden Landtagen Instandsetzungsarbeiten auf den Balkonen nötig werden.
Tatsächlich wurde schon jeden Morgen der Balkon von Mitarbeitern in Beschlag genommen.

Aber ist das rechtens, dass ich eine Balkonkabine bezahle, diese dann aber an 5 Hafen Tagen nicht nutzen kann? Mal an einem Tag, ok, aber gleich 5 von 13 Hafentagen?
Das ist besonders unverständlich, weil wir die AIDAluna eh so abnutzen, dass sie direkt von Hamburg für 14 Tage in die Werft geht. Dort könnte das alles erledigt werden. Wird aber nicht, solche Vorarbeiten verkürzen den teuren Werftaufenthalt. Auf unsere Kosten.

Heute aber genießen wir den Balkon wieder und das erstmals mit Blick auf wirklich bewegtes Meer.

Das schaffen wir auch den ganzen restlichen Tag, nur unterbrochen von einem winzigen Caramel Macchiato im Café Mare.
Bis es spätnachmittags doch zu kalt wird.

Locker aus der Hüfte beim Schlingern

Obwohl das Abendbrot im Marktrestaurant wieder eine Berg- und Talaktion wird, weil es durch das Schlingern des Schiffs ein ganz schönes Auf und Ab wird, ist es wieder gut gefüllt. Vielleicht nicht so überfüllt wie sonst um 18 Uhr an Seetagen, aber voll. Wobei mancher vor fast leerem Teller sitzt, weil der Appetit fehlt.

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Tatsächlich ist die Bewegung des Schiffes ein Schlingern. Das bedeutet, dass es rollt und stampft – also sowohl längs auf und ab geht, als auch seitlich.
Das ist auch der Grund, warum in den Treppenhäusern Spucktüten auftauchen.

So stehen auch auf dem Tischen keine Gläser und keine Tischgetränke mehr, die würden böse ins Rutschen kommen. Die Kellner bringen aber gefüllte Gläser auf Anforderung.

Dazu gibt es heute einen Tipp: bei dem Schlingern ist immer mal ein Ausfallschritt nötig, um nicht das Gleichgewicht zu verlieren, besonders mit zwei Tellern beladen. Deshalb ist prinzipiell breitbeiniges Gehen eine gute Idee.
Leichter wird es, wenn man dabei so locker wie möglich bleibt. Je mehr man anspannt und die Beine versteift, desto schwerer wird es.

Eine unbeliebte Frau

Unser treuester Begleiter zum Essen ist übrigens die unbeliebte Frau.

Bevor der geneigte Leser nun denkt, ich rede despektierlich über andere Gäste: “Eine unbeliebte Frau” ist ein Kriminalroman von Nele Neuhaus, den wir hier an Bord in der Bibliothek gefunden haben und jetzt zu jedem Essen mitnehmen.
Wir legen nämlich immer ein Buch auf den Tisch, damit andere Gäste wissen, dass wir hier sitzen und nicht den Tisch mit Zurücklassen halbleerer Gläser und Teller verlassen haben.
Das macht nämlich eine Reihe von Gästen und dann gibt es immer Unsicherheiten bei denen, die noch freie Tische suchen.
Nur so können wir auch gemeinsam auf Buffet-Jagd gehen und es muss nicht immer einer am Platz warten.
Und so ein Buch sieht besser aus als Handtücher auf den Stühlen.
Aber bevor der geneigte Leser protestiert: Wir benutzen das Buch natürlich auch bestimmungsgemäß und lesen fleißig. Nur nicht beim Essen.

Aus operativen Gründen (jetzt ist es soweit: ich habe den AIDA-Slang übernommen) sehen wir die Show um 21 Uhr von der Kabine aus. Nach dem AIDA-Motto “keine Transreise ohne Transe” (nein, ich bin immer noch nicht despektierlich, das ist ein Zitat) tritt heute Sarah Barelly auf als Travestie-Künstlerin. Wir haben viel zu lachen, obwohl oder weil es immer wieder frivol wird, die Altersfreigabe ist zu Recht ab 16.

Auch morgen ist noch ein Seetag.

Atlantik


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